Eine gute Verkehrspolitik für die Samtgemeinde Mittelweser muss drei Ziele verbinden: Sie muss die Menschen vor Ort spürbar entlasten, die Orte besser miteinander verbinden und die wirtschaftliche Entwicklung der Region sichern. Für Landesbergen, Leese, Estorf, Stolzenau und die umliegenden Ortsteile brauchen wir deshalb ein Gesamtkonzept, das Straße, Busverkehr und ergänzende Mobilitätsangebote gemeinsam denkt.
Ein zentraler Baustein bleibt die Ortsumgehung für Landesbergen und Leese. Sie ist seit vielen Jahren ein wichtiges Anliegen der Bevölkerung, weil Durchgangsverkehr, Lärm und Belastungen in den Ortslagen spürbar reduziert werden müssen. Dabei dürfen Landesbergen und Leese nicht isoliert betrachtet werden: Auch die Ortsumgehung Estorf wird im Zusammenhang mit dem Bundesverkehrswegeplan thematisiert; für Leese und Landesbergen an der B 215 wurde eine Aufnahme in den vordringlichen Bedarf genannt.
Unser Ziel muss sein, die Planungen konsequent voranzubringen, ohne die berechtigten Anliegen von Anwohnerinnen und Anwohnern, Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz aus dem Blick zu verlieren. Eine Ortsumgehung darf nicht nur Verkehr verlagern, sondern muss echte Entlastung bringen: weniger Schwerlastverkehr in den Ortskernen, mehr Sicherheit für Fußgängerinnen und Radfahrer, bessere Querungsmöglichkeiten und attraktivere Dorfzentren.
Von besonderer Bedeutung ist außerdem die Weserbrücke in Stolzenau. Sie ist ein Schlüsselbauwerk für die Verbindung der Region. Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr beschreibt, dass das Brückenbauwerk im Zuge der B 215 südlich von Stolzenau die Weser quert und dass die alte Brücke aus dem Jahr 1949 wegen abnehmender Tragfähigkeitsreserven nicht geeignet ist, künftige Verkehrsbelastungen aufzunehmen. Das Land Niedersachsen hat zum Ersatzneubau zudem hervorgehoben, dass die B 215 eine hohe Bedeutung für die Nord-Süd-Verbindung im Raum Verden-Minden beziehungsweise von Nienburg nach Bremen und Hannover hat. Deshalb ist klar: Die Brücke muss leistungsfähig, sicher und zukunftsfest sein, aber die Bauphase und die anschließende Verkehrsführung müssen für Stolzenau und die Nachbarorte so verträglich wie möglich gestaltet werden.
Zum Verkehr gehört aber gerade im ländlichen Raum ist ein verlässlicher ÖPNV entscheidend für Teilhabe, Ausbildung, Arbeit, Arztbesuche, Einkäufe und Freizeit. MittelWeserBus bietet eine Übersicht zu Strecken, Fahrplanabweichungen und Liniennetzplänen für den Busverkehr in der Region. Dieses Angebot sollte erhalten, besser verknüpft und dort ausgebaut werden, wo heute Lücken bestehen, besonders abends, am Wochenende und für kleinere Ortsteile.
Ergänzend brauchen wir flexible Lösungen wie Bürgertaxi, Bürgerbus oder Anruf-Taxi-Modelle. Bereits 2015 wurde in Stolzenau öffentlich diskutiert, dass der demografische Wandel neue Mobilitätsangebote im Landkreis Nienburg und speziell in der Samtgemeinde Mittelweser erforderlich macht; dabei wurden Bürgerbus, Anruf-Bus und Anruf-Taxi als mögliche Ergänzungen zum ÖPNV genannt. Genau daran sollten wir anknüpfen. Ein Bürgertaxi kann keine reguläre Buslinie ersetzen, aber es kann Versorgungslücken schließen: für ältere Menschen, Jugendliche, Menschen ohne Auto, Menschen mit Einschränkungen und alle, die in den Ortsteilen nicht regelmäßig Anschluss an Bus oder Bahn haben.
Deshalb setzen wir uns für einen Verkehrsmix ein:
- Ortsumgehungen dort voranbringen, wo sie nachweislich Ortskerne entlasten, insbesondere Landesbergen und in der Gesamtbetrachtung auch Leese und Estorf.
- Den ÖPNV stärken, mit besseren Anschlüssen, verständlichen Fahrplänen und verlässlichen Verbindungen zwischen den Ortsteilen und nach Nienburg.
- Flexible Ergänzungsangebote wie Bürgertaxi, Bürgerbus oder Anruf-Taxi prüfen und umsetzen, wo klassische Linienverkehre nicht ausreichen.
- Verkehrssicherheit für Fußgänger, Radfahrer, Schülerinnen und Schüler sowie ältere Menschen verbessern, insbesondere in den Ortsdurchfahrten.
Die Mittelweser braucht keine Verkehrspolitik nach dem Prinzip „entweder Straße oder Bus“. Wir brauchen beides: eine leistungsfähige Infrastruktur für die Region und zugleich alltagstaugliche Mobilität für die Menschen vor Ort. Unser Anspruch ist klar: weniger Belastung in den Ortslagen, bessere Erreichbarkeit für alle Generationen und ein Verkehrssystem, das zur ländlichen Struktur unserer Samtgemeinde passt.
Die Verwaltung muss, auch wenn es nicht ihre direkte Zuständigkeit ist, selbst Beschlossenes weiter vorantreiben, damit die Interessen der Samtgemeinde Mittelweser nicht ins Hintertreffen geraten. Straßenprojekte wurden in den vergangenen Jahren unzureichend durchgeführt. Die Vergabe des Anschlusses der neuen Weserbrücke verspätet durchgeführt, weshalb die Brücke seit über einem Jahr nicht genutzt werden kann. Daraus müssen wir lernen und anstehende Projekte und Prozesse beständig begleiten und kontrollieren.