Es muss offen ausgesprochen werden, dass der Standort Stolzenau in seiner heutigen Struktur nicht mehr ohne Weiteres als vollwertiges Krankenhaus im klassischen Sinne bezeichnet werden kann, wenn wesentliche diagnostische Voraussetzungen und umfassende Notfallstrukturen fehlen. Ein bloßes Festhalten am Begriff „Krankenhaus“ würde die tatsächlichen Versorgungsprobleme nicht lösen. Entscheidend ist vielmehr, den Standort ehrlich, zukunftsfähig und medizinisch tragfähig neu auszurichten.
Die Lösung kann daher nicht allein im Erhalt bestehender Strukturen liegen, sondern in der Weiterentwicklung des Standortes zu einem Regionalen Gesundheits- und Versorgungszentrum für den Südkreis. Ein solches Zentrum sollte hausärztliche, fachärztliche, geriatrische, therapeutische, pflegerische und soziale Angebote bündeln. Dabei muss eine hinreichende Basisdiagnostik vor Ort sichergestellt werden, etwa durch Labor, EKG, Ultraschall, Lungenfunktionsdiagnostik und digitale Befundübermittlung. Für weiterführende Diagnostik wie Röntgen, CT oder MRT sind voraussichtlich verbindliche Kooperationen mit Kliniken und radiologischen Einrichtungen erforderlich.
Eine akute Notversorgung könnte am Standort nicht als vollumfängliche Krankenhausnotaufnahme, wohl aber als qualifizierte Akut-Erstversorgung organisiert werden. Ziel wäre es, Patientinnen und Patienten schnell einzuschätzen, medizinisch zu stabilisieren und bei Bedarf gezielt an geeignete Kliniken weiterzuleiten. Dafür braucht es klare Absprachen mit dem Rettungsdienst, der Leitstelle, der Kassenärztlichen Vereinigung, umliegenden Krankenhäusern und den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten.
Besondere Bedeutung hat die Versorgung der Alten- und Pflegeheime in Stolzenau und der umliegenden Region. Gerade ältere und pflegebedürftige Menschen benötigen eine kontinuierliche medizinische Betreuung, regelmäßige Visiten, eine verlässliche Medikamentenüberprüfung, schnelle ärztliche Einschätzungen bei akuten Verschlechterungen sowie eine gute geriatrische und palliative Versorgung. Ein Regionales Gesundheitszentrum könnte hierfür feste ärztliche Ansprechpartner und strukturierte Versorgungspfade schaffen.
Voraussetzung für den Erfolg ist eine enge interkommunale Zusammenarbeit. Die Gesundheitsversorgung im Südkreis endet nicht an Gemeindegrenzen. Deshalb sollten Landkreis, Samtgemeinde Mittelweser, Nachbarkommunen, Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienst, Kliniken, Kassenärztliche Vereinigung, Apotheken und soziale Träger gemeinsam an einer tragfähigen Lösung arbeiten. Denkbar sind eine gemeinsame Trägerstruktur, eine abgestimmte Finanzierung, Nebenstandorte in den Nachbarkommunen und mobile Versorgungsangebote.
Der Standort Stolzenau kann damit erhalten werden, aber nicht durch ein Festhalten an überholten Begriffen, sondern durch eine realistische Neuausrichtung. Ziel muss ein Gesundheitszentrum sein, das Diagnostik, Akut-Erstversorgung, Facharztgewinnung, Altenheimversorgung und geriatrische Kompetenz miteinander verbindet. So entsteht eine ehrliche und zukunftsfähige Lösung für die Menschen im Südkreis.